
Verpflegung - vor, während, nach einem Lauf
Wer regelmäßig läuft, merkt schnell: Die richtige Verpflegung entscheidet nicht nur darüber, wie sich ein Lauf anfühlt, sondern auch darüber, wie gut man sich danach erholt und wie konstant sich die Leistung entwickelt. Dabei geht es weniger um komplizierte Ernährungspläne als um ein Verständnis dafür, was der Körper je nach Belastungsdauer tatsächlich braucht. Zwischen einem 12-Kilometer-Lauf und einer 30-Kilometer-Einheit liegen physiologisch Welten — und genau das sollte sich auch in der Verpflegung widerspiegeln.
Vor dem Lauf steht immer die Frage nach der verfügbaren Energie. Der Körper greift bei mittleren bis höheren Intensitäten in erster Linie auf Kohlenhydrate zurück, die als Glykogen in Muskeln und Leber gespeichert sind (Insofern du nicht komplett in der Ketose bist! Was die Wenigsten wirklich sind. Dieses Fass mache ich jetzt hier nicht auf.) Diese Speicher sind jedoch begrenzt. Eine ausgewogene Mahlzeit zwei bis vier Stunden vor dem Training sorgt dafür, dass sie gut gefüllt sind, ohne den Magen zu belasten. Bewährt haben sich leicht verdauliche Kohlenhydratquellen wie Haferflocken, Brot (kein Vollkorn), Reis oder Obst, ergänzt durch eine kleine Menge Protein. Fett- und ballaststoffreiche Speisen verlangsamen die Verdauung und können während des Laufens - nun, nennen wir es "unangenehm" werden. Kurz vor dem Start kann eine kleine Portion schnell verfügbarer Energie sinnvoll sein — etwa eine reife Banane oder ein Schluck Sportgetränk — vor allem dann, wenn die letzte Mahlzeit schon länger zurückliegt oder ein längerer Lauf geplant ist.
Bei Einheiten sehr early, wo ein Frühstück 2 Stunden vorher ausgeschlossen ist, erfüllt ein mit Bedacht gemixtes, kohlenhydrathaltiges Sportgetränk auch seinen schnellen Zweck.
Bei kürzeren Strecken bis etwa zwölf Kilometer ist die Energieversorgung während des Laufens in der Regel kein limitierender Faktor. Die vorhandenen Glykogenspeicher reichen meist aus, um die Belastung ohne zusätzliche Zufuhr zu bewältigen. Das gilt besonders bei moderaten Temperaturen und gleichmäßigem Tempo. Flüssigkeit kann sinnvoll sein, ist aber häufig eher eine Frage des persönlichen Wohlbefindens als eine physiologische Notwendigkeit. Z.B. nach Intervall x die geschmackliche Belohnung... hat schon Einigen zu neuem Schub verholfen. Entscheidend ist hier vor allem, gut vorbereitet zu starten und dem Körper nach dem Lauf die Möglichkeit zu geben, verbrauchte Reserven wieder aufzufüllen.
Sobald sich die Laufdauer der Marke von neunzig Minuten nähert, verändert sich die Situation spürbar. Bei Distanzen zwischen etwa zwölf und zwanzig Kilometern beginnen die Kohlenhydratspeicher zunehmend zu sinken. Viele Läuferinnen und Läufer kennen dieses Gefühl eines schleichenden Energieverlusts: Das Tempo fällt schwerer, die Schritte werden unrunder, die Konzentration lässt nach und die Laune gegenüber Mitlaufenden ist im Keller. Kleine Mengen Kohlenhydrate während des Laufens können hier stabilisierend wirken. Es geht weniger darum, große Energiemengen aufzunehmen, sondern darum, den Blutzucker konstant zu halten und die muskuläre Ermüdung hinauszuzögern. Isotonische Getränke, kleine Portionen Trockenfrüchte oder ein Energiegel erfüllen genau diesen Zweck. Parallel dazu gewinnt die Flüssigkeitszufuhr an Bedeutung, insbesondere bei warmem Wetter oder höherer Intensität.
Bei langen Läufen ab etwa zwanzig Kilometern wird die Verpflegung schließlich zu einem zentralen Leistungsfaktor. Die körpereigenen Reserven allein reichen für diese Belastungsdauer nicht mehr zuverlässig aus. Wer hier keine Energie zuführt, riskiert nicht nur einen deutlichen Leistungsabfall, sondern auch eine unverhältnismäßig hohe Belastung für den Organismus. Kohlenhydrate während des Laufens sind nun kein optionales Extra mehr, sondern Teil der Trainingsstrategie. Viele Ausdauerathletinnen und -athleten orientieren sich an einer regelmäßigen Aufnahme kleiner Mengen pro Stunde, meist in Form leicht verdaulicher Produkte wie Gels, kohlenhydrathaltiger Getränke oder weicher Riegel. Gleichzeitig spielt die Flüssigkeitszufuhr eine entscheidende Rolle für die Temperaturregulation und die Herz-Kreislauf-Stabilität. Mit dem Schweiß verliert der Körper nicht nur Wasser, sondern auch Elektrolyte, insbesondere Natrium. Getränke, die beides enthalten, unterstützen deshalb die Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit deutlich besser als reines Wasser.
Nach dem Lauf beginnt eine Phase, die häufig unterschätzt wird, für die Anpassung an das Training jedoch entscheidend ist: die Regeneration. In den ersten Minuten nach der Belastung ist der Stoffwechsel besonders aufnahmefähig. Der Körper versucht, verbrauchte Kohlenhydratspeicher wieder aufzufüllen und mikroskopische Schäden in der Muskulatur zu reparieren. Eine Kombination aus Kohlenhydraten und Protein unterstützt beide Prozesse gleichzeitig. Das kann eine vollständige Mahlzeit sein, wenn der Appetit es zulässt, oder eine kleinere Zwischenlösung wie Joghurt mit Obst, ein Sandwich oder ein entsprechendes Getränk. Ebenso wichtig ist es, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, denn selbst ein moderates Defizit kann die Erholung verzögern und die Leistungsfähigkeit am nächsten Trainingstag beeinträchtigen.
Neben der Distanz spielen auch individuelle Unterschiede eine Rolle. Läuferinnen verfügen im Durchschnitt über geringere absolute Glykogenspeicher, weshalb eine regelmäßige Energiezufuhr bei langen Läufen für sie oft besonders relevant ist. Gleichzeitig nutzen sie bei moderater Intensität tendenziell mehr Fett als Energiequelle, was sich bei ruhigen Dauerläufen positiv auswirken kann. Läufer haben häufig einen höheren absoluten Energie- und Flüssigkeitsbedarf, unterschätzen aber nicht selten ihren tatsächlichen Verlust durch Schwitzen.
Mit zunehmender Laufdistanz verschiebt sich also der Schwerpunkt von der Vorbereitung hin zur aktiven Energieversorgung während der Belastung. Kurze Läufe verlangen vor allem eine sinnvolle Ausgangsbasis, mittlere Distanzen profitieren von stabilisierender Unterstützung, und lange Läufe erfordern eine gezielte, geplante Verpflegung.
Mein Tipp: teste viel und umfangreich, dokumentiere und passe deine Verpflegung gegebenenfalls an - vergleiche dich nicht mit anderen, jeder Mensch ist individuell.



